perspektive n an der Universität Konstanz

Universität Konstanz – zukunftsfähig?!

Gastbeitrag des Green Office der Universität Konstanz

Am 8. November 2018 besuchte die perspektive n auf Einladung des studentischen Nachhaltigkeitsbüros Green Office die Universität Konstanz. In Kooperation mit dem Studierendenwerk Seezeit, dem Verein der Ehemaligen der Universität sowie der StuVe trafen sich etwa 70 Menschen aus allen Statusgruppen der Universität, um über die Zukunftsfähigkeit und Nachhaltigkeit in Konstanz zu diskutieren.

Auf dem Podium fest vertreten waren dabei Prof. Dr. Kerstin Krieglstein, die seit dem 1. August 2018 Rektorin der Universität Konstanz ist, Prof. Dr. Dirk Leuffen als Prorektor für Lehre und wissenschaftlichen Nachwuchs, Josef Kaiser von der Humboldt Universität zu Berlin als externer Gast des netzwerk n, Agnes Dietrich als Referentin des AStA-Referats für Nachhaltigkeit, Gleichstellung & Soziales sowie Britta Kressin als ehemalige Koordinatorin des Green Office. Moderiert wurde die Runde durch Dr. Michael Flohr vom netzwerk n.

Zwischen den festen Gästen der Runde entwickelte sich ein angeregtes und durchaus kritisches Gespräch, doch auch viele der Anwesenden nutzten die Möglichkeit, um Fragen oder Anregungen zum Thema einzubringen.

Aufhänger war dabei unter anderem die frisch ausgewertete Studierendenbefragung „Sag’s uns“: 73 % der Studierenden gaben dabei an, dass sie sich ein stärkeres Engagement der Universität für Nachhaltigkeit und gegen den Klimawandel wünschen. So war auch gleich zu Beginn des Gesprächs klar, dass das Thema Nachhaltigkeit von Bedeutung ist und an vielen Stellen mitgedacht werden muss.

Ein kurzes Stimmungsbild unter den Anwesenden zeigte: Die Uni Konstanz kommt bei ökologischen Fragen eher schlecht weg, bei der sozialen Nachhaltigkeit hingegen deutlich besser. Betont wurde im anschließenden Gespräch sowohl die Rolle der einzelnen Menschen, aber auch der Universität als Ganzes. Immerhin sei die Universität, was ihren ökologischen Fußabdruck angeht, eine „Kleinstadt“ und darüber hinaus potenzielle Multiplikatorin für Bildung für nachhaltige Entwicklung. Viele Dinge wurden an der Universität Konstanz von studentischer Seite schon angestoßen und wurden noch einmal aufgezählt: So gibt es seit 2015 das deutschlandweit erste Green Office, seit einem Jahr eine Zusatzqualifikation im Bereich Nachhaltigkeit sowie einen vom Green Office erstellten Nachhaltigkeitsbericht.

Die Runde widmete sich zuerst dem Schwerpunkt Betrieb: Für den Nachhaltigkeitsbericht wünscht sich das Green Office eine stärkere Unterstützung durch die Uni, vor allem in Hinblick auf die Zielsetzungen. Diese können nicht im Alleingang, sondern müssen durch die Gremien der Uni beschlossen werden. Es bräuchte in Zukunft mehr Stellen für das Green Office bzw. eine feste Stelle; der Impuls für eine nachhaltige Zielsetzung der Universität müsse aber auch von oben kommen. Auch neue Bauprojekte stehen an und wurden in die Diskussion aufgenommen: Können diese nachhaltig realisiert werden? Wie steht es um eine mögliche CO2-Neutralität der Universität? Dabei wurde unter anderem der universitätseigene Wald als Bannwald als Ressource sowie Möglichkeit für neue Forschungsprojekte ins Gespräch gebracht. Klar wird: Sich hohe Ziele zu stecken, wäre möglich, vielleicht sogar sinnvoll. Ob diese erreichbar sind oder von der Uni-Leitung priorisiert werden, ist aber nicht gesagt.

Das Green Office selbst kann im Moment seine Arbeit und damit auch die Anregungen für eine nachhaltigere Entwicklung nicht zur eigenen Zufriedenheit verrichten. Da keine feste Stelle und nur wenige Arbeitsstunden für wenige studentische Hilfskräfte vorhanden sind, ist die Auslastung sehr hoch; feste Ansprechpartner_innen in allen Bereichen der Universität gibt es bisher nicht. Bedauert wurde, dass die meisten Projekte bisher durch Studierende durchgeführt werden, obwohl es von allen Seiten der Universitätsmitglieder gute Ideen gibt. Diese zu sammeln und zu vernetzen bleibt ein Ziel des Green Office.

Der Wunsch des Green Office wäre, den Nachhaltigkeitsbericht sowie die Anregungen aus Green Office und der Studierendenbefragung in den Senat einzubringen. Dieser Wunsch wurde zum Ende des Gesprächs aufgegriffen und ihm mit einer Einladung durch die Rektorin in den Senat nachgekommen.

Doch zuerst wurde der zweite Schwerpunkt Lehre und Forschung ebenfalls mit einem Stimmungsbild eingeläutet: Der Großteil der Anwesenden hält die Nachhaltigkeit in der Lehre und Forschung nur für wenig oder in Ansätzen vertreten. Das Thema sei nicht vertreten oder würde höchstens gelegentlich thematisiert. Ein Format, diese Problematik anzugehen, ist die vor einem Jahr gestartete qualifikation N, mit der eine Zusatzleistung im Bereich Nachhaltigkeit erbracht werden kann. Diese könne jedoch aus Zeitgründen von vielen Studierenden nicht belegt werden bzw. sei noch nicht sichtbar genug. Das Green Office wünscht sich, dass die Uni ihre Verantwortung als Ort der Bildung wahrnimmt und alle Studierenden, wenn sie die Uni verlassen, etwas unter Nachhaltigkeit verstehen. Deswegen solle das Thema Nachhaltigkeit auch in die Standard-Lehrveranstaltungen – und zwar nicht nur von studentischer Seite initiiert. Hierüber herrscht Uneinigkeit: Es sollen und dürfen keine Inhalte vorgegeben werden, aber kann es Empfehlungen oder Anreizsysteme geben? Dazu gibt es auch am Ende unterschiedliche Standpunkte. Vorschläge sind unter anderem ein Studium Generale zum Thema Nachhaltigkeit, ein Ausbau des vorhandenen Service Learning Modells in Richtung Nachhaltigkeit oder Modelle wie die Projektwerkstätten an der TU Berlin. Dabei kam auch auf, dass nicht nur über Nachhaltigkeit, sondern vor allem nachhaltig gelernt werden sollte. Wie kann die Uni das ermöglichen, wo kann sie sich vielleicht von anderen Unis inspirieren lassen? Sind (wieder-)entzerrte Stundenpläne möglich, die mehr Zeit zum Verdauen und Denken geben? Wieviel Praxisanwendung kann die Uni möglich machen?

Einig ist sich das Podium jedoch: Die Universität zukunftsfähig zu gestalten, heißt auch, nicht nur Betrieb oder nur Lehre zu verändern: Beides geht Hand in Hand und ermöglicht nur so eine umfassende Bildung aller Studierenden.

Einige Wünsche werden auf jeden Fall aufgenommen und weitergegeben: Das Green Office benötigt eine dauerhafte Finanzierung sowie mehr Vernetzung; die vorhandenen Projekte sollen sichtbarer werden und die Universität kann diese durchaus mit Stolz präsentieren; und es gibt viele Bereiche, in denen Konstanz von anderen Universitäten lernen kann. Dafür und im Allgemeinen bräuchte es mehr vernetzende Veranstaltungen und Unterhaltungen mit den Mitgliedern der Universität, wie auch die perspektive n, um den aktuellen Stand der Uni immer wieder zu überprüfen.

Diskutanten und Diskutantinnen:

  • Prof. Dr. Kerstin Krieglstein, Rektorin
  • Prof. Dr. Dirk Leuffen, Prorektor für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs
  • Agnes Dietrich, AStA Referentin für Nachhaltigkeit, Soziales & Gleichstellung
  • Britta Kressin, ehemalige Koordinatorin studentisches Nachhaltigkeitsbüro Green Office
  • Josef Kaiser, Vorstand netzwerk n, Mitgründer student. Initiative Nachhaltigkeitsbüro an der HU Berlin
  • … und alle Anwesenden

Moderation: Dr. Michael Flohr, netzwerk n e.V.

Fotos © Universität Konstanz