Ein Beitrag vom Selina Maier, studentische Hilfskraft bei Klasse Klima


Die Klasse Klima-Schulungen vom Herbst 2020 bis Sommer 2021 im Überblick

Klimabildung während Corona? Na klar!

Es ist Juni 2021. Das dritte Projektjahr von „Klasse Klima – Her mit der coolen Zukunft!“, das sich vor allem um Hochschulkooperationen und die Verstetigung unserer Angebote dreht, ist in vollem Gang. Die diesjährigen Multiplikator*innen-Schulungen liegen bereits hinter uns und wir sind ganz im Service-Learning- (und auch schon ein bisschen im Sommer-) Modus. Nach den vielen Online-Veranstaltungen könnte man gar auf die Idee kommen, wir hätten nie etwas anderes als virtuelle, Corona-konforme Schulungen gemacht. Wie Ihr vielleicht wisst, ist das nicht der Fall. In diesem Beitrag will ich Euch daher von unserem turbulenten Schulungs-Winter und -Frühjahr berichten und davon, dass Klimabildung in einem globalen Krisenjahr wie 2020 nicht nur nötig, sondern sogar möglich ist und trotz allem auch noch Spaß macht!

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Nach einem Sommer mit vielen Lockerungen der Corona-Maßnahmen und noch mehr Erleichterung über die gefühlte Normalität nach dem pandemischen Frühjahr bereiten wir uns im Herbst 2020 auf den zweiten Klasse Klima-Schulungs-Zyklus vor, der im Oktober mit ein paar Monaten Corona-bedingtem Aufschub in Hannover beginnt. Die Frage, ob und wie eine Multi-Schulung, die vom Gemeinschaftsgefühl und der Partizipation der Teilnehmenden lebt, mit Abstand und Maske funktionieren kann, treibt uns um. Wir schreiben ein Hygiene-Konzept, diskutieren die Zimmer-Aufteilung und ändern WUPs und Methoden, sodass sie Hygiene-Vorschriften-konform sind. Noch am Vorabend der Schulung muss das Team wegen einer Bombenentschärfung in einer naheliegenden Kleingartenanlage für mehrere Stunden das Tagungshaus verlassen. Dann, endlich, geht es am Freitagnachmittag, den 2. Oktober planmäßig mit dem Programm los. Es ist ungewohnt und zehrt Energie, immer auf den Mindestabstand und die Maske zu achten. Und irgendwie traurig, nicht mit allen gemeinsam an einem großen Tisch beim leckeren Essen quatschen zu können. Doch dank des sonnigen (und halbwegs milden) Herbstwetters können wir viele Methoden im Garten unseres schönen Schulungshauses „Gleisdreieck“ im Süden von Hannover durchführen. Als die Teilnehmenden am Sonntagnachmittag abreisen, bleibt ein Gefühl der Erleichterung: Wir haben es geschafft, auch unter diesen widrigen Umständen!

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Leider haben wir bei der nächsten Schulung in der Nähe von Mainz vom 16.-18. Oktober weniger Glück. Hessen beschließt ein Einreiseverbot für Menschen aus Risikogebieten wie Berlin, von wo aus die Hälfte des Teams anreisen will. Kurzfristig wird eine „Hybrid-Schulung“ auf die Beine gestellt: die Referentinnen Laura und Anna teamen per Beamer live aus der Ferne, während die beiden Regionalkoordinierenden Annika und David die kleine Multi-Gruppe vor Ort mit Abstand betreuen. Was für das Team anstrengend und technisch sehr herausfordernd ist, stellt sich als Gewinn für die Multis heraus. “Es war so schön mal wieder physisch engagierte Menschen kennenzulernen, ich hatte das Gefühl, die gibts kaum noch”, sagt dazu eine Teilnehmerin.

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Weiter geht’s mit zwei Präsenz-Schulungen auf Schloss Beilstein in der Nähe von Heilbronn (30.10.-01.11.2020) sowie in der Villa Ulenspegel bei Kiel (27.-29.11.2020). Wie zu vermuten, fühlen sich Team und Teilnehmende im Schloss direkt pudelwohl. Die vornehmen Räumlichkeiten bieten genug Platz, um die Abstandsregeln einzuhalten und der schöne Garten, umringt von Weinbergen, ist optimal für WUPs und Pausen. Zur Feier der geschafften Projekttags-Simulation am Samstag schwingen ein paar energiegeladene Multis-to-Be draußen im Vollmondesschein sogar das Tanzbein, während die anderen drinnen Spaß am Aktivisti-Spiel (aka „Werwolf in Cool“) haben. Das Tagungshaus ist sogar nach dem „Grünen Gockel“ zertifiziert, einem Umweltmanagementsystem für Kirchengemeinden. Statt einem Hahn, der zum Aufstehen kräht, gibt es dafür Geschichten über freche Geier, die manchmal aus der nahegelegenen Wildvogelauffangstation ausbüxen.

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Auch die Villa Ulenspegel ist ein wunderschönes Tagungshaus, umringt von Feldern, die am Morgen in Nebel eingehüllt still daliegen. Das Essen ist so unglaublich lecker, dass Team und Multis zusammen „Ein Lob auf die Küche“ in Gedichtform verfassen und die Schulung mit traurig-leerem Magen verlassen. Als einer Teilnehmerin am zweiten Tag einen Risiko-Kontakt in ihrer Corona-Warn-App angezeigt wird, helfen alle mit, damit sie via Laptop-Live-Übertragung von ihrer Zimmer-Quarantäne aus trotzdem an der Schulung teilnehmen kann. Solidarität tut dem Herzen gut, auch im Kleinen. Im Nachhinein hören wir: Falscher Alarm! Aber better safe than sorry.

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Auch bei der letzten Schulung im Jahr 2020, die vom 11. bis 13. Dezember auf Gut Frohberg unweit von Dresden stattfinden sollte, gibt es bis zuletzt noch Hoffnung auf eine Präsenz-Veranstaltung. Inmitten der zweiten Corona-Welle kurz vor Weihnachten fühlen sich Team und Teilnehmende dann doch mit einer Online-Veranstaltung am wohlsten. Und so machen es sich alle mit Tee und Decke vor dem Bildschirm gemütlich und bringen ein bisschen Wärme in die kalte digitale Welt. Bei der zweitägigen Online-Schulung stößt vor allem das Thema Klimagerechtigkeit auf großes Interesse bei den Teilnehmenden.

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Im neuen Jahr geht es direkt weiter mit der ersten Service Learning-Schulung am 22. und 23. Januar in Kooperation mit der Uni Halle. Service Learning ist eine Kombination aus fachlicher Lehre und gesellschaftlichem Engagement, wofür Studierende Credit Points bekommen können. Neben der Schulung planen die Studierenden im Laufe des Semesters einen Projekttag, führen ihn mit anderen Klasse-Klima-Multis durch und erstellen ein Lernportfolio. Die Schulung im Januar zeigt, dass wir das Online-Schulungs-Konzept perfektioniert haben. Mit dem richtigen Pausenmaß, einem Telefonspaziergang am Nachmittag und Augenschließen statt Bildschirmstarren ist die Schulung kurzweilig und interaktiv aber dennoch herausfordernd und horizonterweiternd. Dem Professor und den Teilnehmenden, unter denen neben den Studierenden auch andere Interessierte sind, gefällt die Schulung sehr.

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Und weil es so schön ist, gibt es im März gleich die nächsten Online-Schulungen für die Regionen Berlin/Brandenburg und Niedersachsen-Süd sowie für Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Der Andrang auf die beiden Schulungen ist groß und sehr schnell sind alle Plätze belegt. Das freut die beteiligten Regionalkoordinierenden, da in diesen Regionen zu diesem Zeitpunkt eher wenige Multis aktiv sind. Die Schulungen laufen gut und alle sind zufrieden, sodass wir getrost und gespannt auf die weiteren Service-Learning-Kooperationen blicken, die im April losgehen.
Im laufenden Online-Sommersemester 2021 gibt es sechs solcher Hochschul-Kooperationen: an der FU Berlin, Uni Vechta, Uni Duisburg-Essen, TU Dresden und Uni Leipzig sowie der Hochschule Rhein-Main wird Klasse Klima als Service Learning-Wahlfach angeboten. Der Koordinationsaufwand ist sehr hoch und es ist gar nicht so leicht, die Kommunikation mit den verschiedenen Beteiligten und auf den unterschiedlichen Uni-Plattformen sicherzustellen. Außerdem erscheinen weniger Studierende bei den Einführungsveranstaltungen als erwartet. Dafür können andere Interessierte, die bei früheren Schulungen auf der Warteliste standen, diesmal noch einen Platz ergattern. So wuppen wir 5 Schulungen innerhalb von 3 Wochen und sammeln dabei wichtige Erfahrungen für die zukünftige Zusammenarbeit mit Hochschulen.

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Trotz Krise, trotz zweiter und dritter Corona-Welle und trotz kalt-grauem und langanhaltendem Winter haben wir es in den letzten Monaten geschafft, zahlreiche Multis zu erreichen und für Klimabildung zu begeistern. Mit alternativen Formaten und viel Flexibilität haben wir gezeigt, dass es möglich ist: Klimaschutz während Corona? Na klar!

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