8.Waco
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Erfahrungsbericht von der 8. Wandercoaching-Schulung vom 13. bis 19.09.

 
Zwischen Nachhaltigkeit, Aktivismus und Covid-19

Nach über einem Jahr Corona Lockdown war allein schon die 5-stündige Zugfahrt quer durch Deutschland ein besonderes Erlebnis. Und da war ich nun, nach drei Umstiegen und erstaunlicherweise keinen verpassten Anschlusszügen, endlich im Bus nach Breibach – einem kleinen Dorf in der Nähe von Köln. Mit mir sind auch noch drei weitere Menschen eingestiegen, alle drei mit großen Rucksäcken oder Koffern. In dieser Montur stechen sie definitiv aus der Masse der restlichen Mitfahrer*innen heraus. Haben wir dasselbe Ziel? Und tatsächlich, nach kurzer Zeit traut sich eine Person die Stille des ÖPNV-Fahrens zu brechen und fragt direkt: „Hey, bist du auch auf dem Weg nach Breibach zur Wandercoaching-Schulung?“. „Ja“, war meine erfreute Antwort und damit startete die 8. Wandercoaching-Schulung vom 13. bis 19. Oktober und gleichzeitig eine unvergleichliche Zeit.

Warum unvergleichlich? Nunja, zum einen wegen den Menschen. Egal ob die fünfzehn Teilnehmer*innen aus den unterschiedlichsten Hintergründen, die erfahrenen Coaches oder die talentierte Küchencrew: alle verbindet die Überzeugung, dass wir mit der Klimakrise vor einem gewaltigen Problem stehen und, dass Hochschulen und vor allem die Studierenden ein Teil der Lösung sind. Die Schulung hat den Rahmen geboten das herauszufinden und aus Fremden Bekannte zu machen. Dann aus Bekannten Kolleg*innen. Und schließlich aus Kolleg*innen Freund*innen.

Zum anderen war diese Zeit aufgrund der Lernerfahrung einmalig. Es war kein Uniseminar, in dem versucht wurde möglichst viel Wissen in möglichst kurzer Zeit abzuarbeiten. Im Gegenteil, die Frage, wie wir als Wandercoaches studentischen Initiativen bei ihrer Arbeit unterstützen können, wurde nicht mit Büchern beantwortet, sondern mit Erfahrungen. Die wissenschaftlich fundierten Module – von Gruppendynamiken bis Projektmanagement – wurden von uns schrittweise erarbeitet. Dabei nicht im Frontalunterricht sondern als partizipative Lernerfahrung. Die Coaches boten uns den Raum und die Unterstützung selbst Antworten auf unsere Fragen zu finden und damit zu experimentieren. Dabei arbeiteten wir im Plenum, in Kleingruppen oder auch in zweier Teams mit den unterschiedlichsten Methoden, geeignet für die unterschiedlichsten Situationen. Wir wurden selbst „gecoacht“ und konnten dadurch nicht nur alle Methoden am eigenen Leib miterleben, sondern hatten auch die Zeit diese Methoden zu reflektieren. So schnell konnten wir gar nicht schauen, bis wir aus der Rolle der Gecoachten hin zu der Rolle der Coaches geführt wurden.

Das führt auch schon zum dritten Grund, warum das eine einzigartige Woche war: Empowerment. Das Ziel war es uns zu befähigen selbst solche Coachings durchzuführen. Am ersten Tag, im Bus, hätten weder ich noch (vermutlich) die meisten anderen der Teilnehmer*innen vermutet, dass wir bald dazu in der Lage sind. Am Ende sind wir allerdings alle mit so viel Motivation, Selbstbewusstsein, Energie und Kreativität aus der Schulung rausgegangen, dass wir unser erstes „eigenes“ Coaching gar nicht abwarten konnten. Dazu haben wir auch noch so viele wundervolle Menschen kennenlernen dürfen, mit denen wir nicht nur im nächsten Jahr im Rahmen der Coaching-Teams zusammenarbeiten können. Nein, es haben sich Freund*innenschaften gebildet, die noch weit darüber hinaus halten werden. Damit, musste auch im Bus auf der Rückfahrt das ÖPNV-Schweigen einem besonderen Gefühl weichen: Aufbruchstimmung!