perspektive n

Berichte vergangener Veranstaltungen

© DUK/Till Budde

28. November 2019, 3. perspektive n an der Universität Witten/Herdecke

Nachhaltiges Handeln: Vom Individuum zur Organisation

Blogbericht: https://www.netzwerk-n.org/2019-80/

23. Mai 2019, 2. perspektive n an der Universität Witten/Herdecke

Ökonomisches Wachstum im Spannungsfeld der Nachhaltigkeit – welches Transformationspotential bieten alternative ökonomische Denkschulen?

Am Donnerstagabend, den 23. Mai 2019, nahmen trotz der frühsommerlichen Temperaturen circa 30 Studierende, Lehrende und Wittener Bürger_innen an der bereits zweiten perspektive n teil, die an der Universität Witten/Herdecke veranstaltet wurde. Als feste Diskutierende hatten wir Vertreter_innen von drei neuen ökonomischen Denkschulen eingeladen, die eine alternative Perspektive zum neoklassischen Wachstumsdogma bieten. In der Mitte des Fishbowl-Kreises nahmen Anna Reisch für die feministische Ökonomik, Johannes Euler des Commons-Instituts und Gerrit von Jorck für die ökologische Ökonomik Platz. Die Moderatorin Annika Taubert führte die Teilnehmenden gekonnt durch eine spannende Diskussion und man merkte nicht, dass sie zum ersten Mal eine moderierende Rolle bei einer perspektive n einnahm.

Die Veranstaltung fand im Rahmen der Woche der Nachhaltigkeit statt, die jährlich vom studentischen Verein oikos Witten/Herdecke organisiert wird. Im Jahr 2019 trug die Projektwoche den Titel „Wertewandel“ und beschäftigte sich mit der Implementierung von Nachhaltigkeit auf individueller, gesellschaftlicher und beruflicher Ebene. Die perspektive n wurde auf den Projekttag zum Thema Gesellschaft gelegt, da sich ein bestimmtes Wirtschaftssystem häufig auf die zugehörige Gesellschaft und ihren Wertekonsens überträgt und somit letzterer ein großes Transformationspotential zugesprochen werden kann. Mit diesen Worten begrüßten zwei Mitglieder von oikos die Anwesenden.

Die Diskussion begann mit einer kurzen Vorstellung der Expert_innen und ihrer Denkschulen anhand von drei aktuellen Fragen zur planetaren Ressourcenverknappung, zum Anteil der von Frauen geleisteten unbezahlten Care-Arbeit und zur Privatisierung von Wasser. Anschließend wurden die theoretischen Ansatzpunkte, die praktische Implementierung und die möglichen Grenzen sowohl der feministischen und ökonomischen Ökonomik als auch der Commons-Theorie diskutiert. Positiv zu beobachten war, dass beide leeren Stühle während der gesamten zweistündigen Veranstaltung besetzt waren und die perspektive n somit ihren interaktiven Charakter erfolgreich entfalten konnte.

Nachdem die Diskussion eine gewisse Eigendynamik entwickelt hatte und neue Perspektiven durch die aktive Teilnahme der Zuhörer_innen hinzukamen, waren die vorgesehenen zwei Stunden bereits vergangen und die festen Diskutierenden Anna, Johannes und Gerrit schlossen die Diskussion mit einem persönlichen Abschlussstatement. Offen gebliebene Fragen konnten anschließend noch bei einem kalten Getränk und Snacks ausdiskutiert werden.

Wir blicken auf eine gelungene perspektive n zurück, die uns einen umfangreichen Einblick in das ambitionierte Transformationspotential der drei vertretenen ökonomischen Denkschulen ermöglicht hat und aber auch die Notwendigkeit aufgezeigt hat, die noch jungen Konzepte präziser weiterzuentwickeln und miteinander zu verknüpfen, um den angestrebten gesellschaftlichen Wertewandel auf unterschiedlichen Ebenen zu realisieren.

Ein großes Dankeschön an Annika Taubert für die tolle Moderation und an netzwerk n für das überzeugende Veranstaltungsformat! Wir freuen uns schon auf die nächste perspektive n an der Uni Witten/Herdecke!

Ein Gastbeitrag von der studentischen Initiative oikos Witten/Herdecke

Diskutanten und Diskutantinnen:

  • Anna Reisch, für die feministische Ökonomik
  • Johannes Euler, Commons-Institu
  • Gerrit von Jorck, für die ökologische Ökonomik
  • … und alle Anwesenden

Moderation: Annika Taubert, netzwerk n e.V.

7. Juni 2017, Universität Witten/Herdecke

Beste Voraussetzungen für eine nachhaltige Universität: Das Feld ist für eine reiche Ernte bestellt

Den Höhe- und Schlusspunkt der Aktionstage Nachhaltigkeit an der Universität Witten/Herdecke (UW/H), die im Rahmen der Deutschen Aktionstage Nachhaltigkeit vom Initiativ-Labor organisiert wurden und praxisorientierte Workshops, Vorträge und einen Radausflug entlang der Ruhr zu bieten hatten, markierte am 7. Juni unsere bundesweite Veranstaltungsreihe perspektive n, die in diesem Sommersemester bereits an Hochschulen in Friedrichshafen, Stuttgart, Greifswald und an der TU Berlin zu Gast war. Das für öffentliche Diskussionen für viele immer noch ungewohnte Fishbowl-Format, das wir mit Farbkartenabstimmungen und Murmelrunden noch interaktiver ausgerichtet haben, um möglichst viele Studierende, Wissenschaftler_innen, Präsidiumsmitglieder und Verwaltungsmitarbeiter_innen in die Diskussion um die Zukunftsfähigkeit ihrer Hochschule einzubeziehen, begeisterte die über 60 Teilnehmenden im prall gefüllten Audimax der UW/H – bezogen auf die ca. 2.300 Studierenden der Universität eine beachtliche Zahl.

Eine positive Energie und der Wille zur Transformation durchzogen die lebhafte Diskussion und hinterließen spürbar Eindruck beim Präsidenten der UW/H, Prof. Martin Butzlaff. Anfangs widmeten wir uns dem Begriff der nachhaltigen Entwicklung, unter dem Butzlaff „enkelgerechte Zukunft durch Verantwortungsfreude“ versteht. Mit „Freude“ und einem optimistischen Blick lassen sich gewiss die Herausforderungen und die Krisen der Moderne einfacher meistern, dennoch legten Johannes Geibel und Sabine Bohnet-Joschko auch den Finger in die Wunde: Johannes verwies auf die planetaren Grenzen, die es einzuhalten gelte und die den menschlichen Handlungsrahmen determinieren; Bohnet-Joschko erwähnte die Zielkonflikte, die in der Diskussion um nachhaltige Lebensstile und Wirtschaftsweisen zwangsläufig aufkommen, und sprach in diesem Kontext von Nachhaltigkeit als „Symbol für Verteilungskämpfe und die Suche nach Interessenausgleich“.

Im Anschluss näherten wir uns vom abstrakten und theoretischen Überbau dem Konkreten an und ließen alle Anwesenden nach einer kurzen Murmelrunde über den Stand der nachhaltigen Entwicklung an der UW/H befinden: Die Farbkarten schnellten in die Höhe; gelb („Das Potential ist auf jeden Fall vorhanden.“) erfüllte den Raum, mit einigen grünen („Wir sind auf einem guten Weg.“) Farbtupfern. Martin Butzlaff, der nach eigener Aussage stets in seiner Rolle als Präsident die grüne Karte in die Luft zu halten habe, auch wenn man ihn 4 Uhr nachts aufwecke, entwickelte einen ausgesprochenen offenen und selbstkritischen Blick auf seine Hochschule: Die Lehre, das studentische Engagement, der „umgekehrte Generationenvertrag“ zur Finanzierung des Studiums und die Werte, mit denen die Absolvent_innen die UW/H verließen, stimmen ihn äußert zufrieden, in betrieblichen Aspekten wie Ernährung, Mobilität, Energieeffizienz und Ressourcennutzung gebe es dagegen noch große Defizite und somit Potenziale für Veränderungen. In der Folge problematisierten einige Stimmen, dass eine deutliche Diskrepanz zwischen der vorbildlich mit Nachhaltigkeitsinhalten versehenen Mission bzw. den angestrebten Zielen der Universität und dem Handeln zu erkennen sei. Ein ehemaliger Student der Leuphana Universität Lüneburg brachte es auf den Punkt: „Nachhaltigkeit wird hier philosophiert.“

Fotos: Copyright Michael Kotowski

Im weiteren Verlauf kristallisierte sich heraus, dass ein fester Ort bzw. eine Struktur fehlt, wo Ideen und Themen der Nachhaltigkeit von allen Statusgruppen eingebracht, diskutiert, ausgehandelt und vorangebracht werden können. In diesem Kontext war den Beiträgen zu entnehmen, dass klare Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten fehlen und dass ein klares Commitment der Hochschulleitung gewünscht ist, damit Initiativen, die bottom-up ihre Hochschule gestalten wollen, ermutigt, gewertschätzt und motiviert werden – passend dazu ist in der Mission der UW/H formuliert: „Es zeichnet die UW/H aus, dass sie ihre Studierenden, Wissenschaftler und Mitarbeiter als Ganzes sieht und deshalb den physischen, organisationalen und mental-intellektuellen Raum zur Verfügung stellt, um sich in jedem dieser Bereiche zu erfahren und weiter zu entwickeln. ‚Betreten und gestalten Sie ihn‘.“ Diese Aussagen gilt es immer wieder aufs Neue zu reflektieren und mit Leben zu füllen.

Im letzten Teil besprachen alle Anwesenden zuerst in kleinen Gruppen, was es von der Uni braucht, um Nachhaltigkeit voranzubringen, und welche nächsten Schritte sie angehen werden. Die Schaffung von Strukturen, in denen Nachhaltigkeit mit einer klaren Zuständigkeit ermöglicht und ermutigt wird, war für viele ein gewünschter und weiter zu diskutierender Vorschlag, wie auch eindeutig eine Abstimmung mit Farbkarten zeigte; ob es nun ein/e Nachhaltigkeitsbeauftragte/r, ein Nachhaltigkeitsbüro, ein Ausbau des bestehenden Initiativ-Labors, ein Green Office, ein Beirat für nachhaltige Entwicklung oder ein Runder Tisch sein soll, müssen und werden hoffentlich die kommenden Monate zeigen. Präsident Martin Butzlaff äußerte abschließend seinen Willen, die nachhaltige Entwicklung an der UW/H weiter voranzubringen. Er habe das starke Signal der Studierenden, die mit ihrer Präsenz und Beteiligung an der Diskussion gezeigt haben, wie wichtig ihnen das Thema Nachhaltigkeit ist, aufgenommen. Überdies ist er überaus offen für die Einsetzung eines Runden Tisches, an dem er auf jeden Fall monatlich teilnehmen würde. Resümierend wies er aber darauf hin, dass es darum gehe, auch die Balance zwischen dem freiwilligen studentischen Engagement und einer Institutionalisierung des Themas zu wahren; in der kommenden Zeit möchte er an der Uni diskutieren, wie diese Balance auszusehen habe. Dass eine stärkere Verantwortlichkeit – gerne auch Verantwortungsfreude – von den Verantwortlichen der UW/H gewünscht ist, belegte auch das Abschlussstatement von Sabine Bohnet-Joschko, die eine regelmäßige Berichterstattung und ein Umweltmanagementsystem implementieren und nachhaltige Entwicklung in die Grundordnung der Uni aufnehmen will. Dem pflichtete auch Reinhard Loske bei, der aus seiner Zeit als Umweltsenator von Bremen erlebte, welche Wirkung ein Umweltmanagementsystem entfalten kann. Domenik Treß plädierte dafür, dass die Uni sich dem Whole-Institution-Approach verpflichten und die Initiativkraft der Studierenden weiter unterstützen müsse. Zusammenfassend bleibt bei für uns das überaus positive Gefühl, dass sich an der UW/H in den nächsten Monaten einiges bewegen wird. Eine große Zahl engagierter und offener Menschen fand während der perspektive n zusammen; wir sind gespannt, was dieser Impuls noch bewirken wird und bedanken uns insbesondere bei Domenik, Milan und Elena vom Initiativ-Labor für die Einladung. In den kommenden Wochen wird der Senat über den Eingang der nachhaltigen Entwicklung in die Grundordnung der UW/H entscheiden – wir drücken die Daumen und hoffen auf eine entschiedenes und unterstützendes Wort des Präsidenten.

Diskutant_innen:

Prof. Dr. Martin Butzlaff, Präsident der UW/H, Mediziner

Prof. Dr. Reinhard Loske, Professor für Politik, Nachhaltigkeit und Transformationsdynamik

Prof. Dr. Sabine Bohnet-Joschko, Professorin für Management und Innovation im Gesundheitswesen

Domenik Treß, Initiativ-Labor an der Universität Witten/Herdecke

Johannes Geibel, Vorstand netzwerk n e.V., Nationale Plattform Weltaktionsprogramm BNE, Gründungsmitglied StudierendenInitiative Greening the University Tübingen

Moderation:

Michael Flohr, Vorstand netzwerk n e.V., Universität Erfurt, Fachforum Non-formales und informelles Lernen/Jugend im Weltaktionsprogramm BNE

Nachhaltigkeitsverständnis der Diskutant_innen:

Reinhard Loske:

„Nachhaltigkeit ist für mich gleichermaßen Ziel, Prozess und Lebensgefühl. Immer geht es um Anforderungen an mich selbst und um unsere Verantwortung als ‚hier und heute Lebende‘ gegenüber ‚Dritten‘: Den Menschen in anderen Teilen der Welt, den noch nicht geborenen Menschen, der ‚Natur‘ mit ihren Eigenrechten im weitesten Sinne. Kurz: Es geht um Lebensstilwandel, Kulturwandel, sozialen Wandel und technisch-ökonomischen Wandel.“

Martin Butzlaff:

„Enkelgerechte Zukunft durch Verantwortungsfreude.“

Sabine Bohnet-Joschko:

„Nachhaltigkeit ist für mich ein Symbol für Verteilungskämpfe und die Suche nach Interessenausgleich – in Organisationen, zwischen Gruppierungen in Gesellschaften und über Grenzen hinweg.“

Domenik Treß:

„Nachhaltigkeit = Zukunftsfähigkeit = Generationengerechtigkeit = Ganzheitlichkeit = Langfristigkeit. Nachhaltigkeit bedeutet, ökonomisch vorausschauend und langfristig zu agieren, ökologisch die Tragfähigkeit des Planeten zu respektieren, sozial und generationenübergreifend gerecht zu agieren und kulturell eine Orientierung am guten Leben.“

perspektive n an der Universität Halle, 28. Juni 2017

perspektive n an TU Berlin, 30. Mai 2017

perspektive n an der Universität Erfurt, 12. Mai 2016

perspektive n in Darmstadt, 29. September 2016