Klimaschutz-Mensa

Campus Flensburg, Studentenwerk Schleswig-Holstein

Foto: Studentenwerk SH

Die Mensa des Studentenwerks Schleswig-Holstein benötigt für die Herstellung der Gerichte große Mengen Energie. Ein wachsendes Angebot an vegetarischen und veganen Gerichten sowie Maßnahmen zur Energieeinsparung und zur Müllvermeidung (FairCup) waren große Schritte in Richtung einer klimafreundlichen Mensa.

Es ist Viertel nach elf: Die Türen zur Mensa öffnen sich. Hier werden Studierende und Mitarbeiter*innen der Uni nicht nur mit Nahrungsmitteln versorgt, sondern hier ist Klimaschutz ganz praktisch und kulinarisch spürbar. Wir tragen alle zur Veränderung des Weltklimas bei, egal ob Kanzlerin, Mitarbeiter*innen oder Studierende. Und so haben alle gemeinsam beschlossen, sich in den Flensburger Hochschulen für den Klimaschutz zu engagieren – jeder auf seine Art. Die Hochschule hat sich für den Campus das Ziel der CO2-Neutralität gesetzt und ein Klimaschutzkonzept erarbeitet. Einstimmig wurde auch die Mensa in das Konzept integriert. Das Studentenwerk Schleswig-Holstein, das die Mensa betreibt, hatte dafür ein offenes Ohr, da Nachhaltigkeit auch dort im Fokus steht.

Bis das Essen auf dem Teller landet, steckt bereits in der Zubereitung der Speisen, dem Transport der Produkte und dem Gebäudebetrieb viel Energie. Knapp 124.000 Speisen werden jährlich zubereitet. Ein großer Anteil der CO2-Emissionen entsteht vorgelagert durch die Produktion der Lebensmittel. Um den Fußabdruck zu reduzieren, verarbeitet die Mensa nach Möglichkeit regionale Produkte. Kurze Transportwege, Fleisch aus artgerechter Tierhaltung in der Region und vor allem die Umstellung auf ein großes Angebot an vegetarischen und veganen Gerichten verringern den CO2-Ausstoß. Die Studierenden nehmen das gerne an: Über 44 % lassen sich die fleischlose Küche schmecken. Auch sie hatten mit dazu beigetragen, dass die vegetarischen und veganen Gerichte beliebter wurden. Sie regten dazu an, die Küche stärker auf vielfältige fleischlose Gerichte auszurichten.

Doch was sind nachhaltige Produkte wert, wenn sie in Wegwerfverpackungen verkauft werden? Studierende tragen gerne ihre warmen Getränke in die Vorlesung oder über den Campus. Es braucht eine nachhaltige Lösung, dachte sich das Klimaschutzmanagement und brachte den FairCup ins Spiel. Eine Gruppe Studierender des Studiengangs Transformationsstudien und des AStA waren sofort dabei. Müllvermeidung mit dem Mehrweg-To-Go-Becher funktioniert. Becher und Deckel können gegen Pfand geliehen und zum Spülen wieder abgegeben werden. Weniger Fleisch, Müll, Strom und Wärme: Die Einsparungen sind vielfältig. Dazu haben auch eine neue Spülanlage, eine bedarfsgerechte Lichtsteuerung und eine Optimierung der Heizzeiten und Lüftung beigetragen.

→ CO2-Neutralität bis 2050

→ Müllvermeidung

→ nachhaltige Speisen und Getränke

Die Mensa trägt auf mindestens vier Wegen zu einer nachhaltigen Entwicklung bei:

→ Durch die Steigerung des vegetarischen und veganen Angebots ernähren sich die Mitglieder und Angehörigen der Hochschule klimafreundlicher auf dem Campus.

→ Vegetarische und vegane Gerichte werden kennengelernt und ggf. wird auch daheim verstärkt vegetarisch und vegan gekocht.

→ Die Mensa bietet vermehrt vegetarische und vegane Produkte an und erkundigt sich bei den Produzent*innen über das Tierwohl und die artgerechte Tierhaltung.

→ Die Mensa bevorzugt kurze Transportwege und regionale Produkte.

Analog dazu verhält es sich mit dem FairCup-Pfandbechersystem. Studierende und Beschäftigte der Hochschule fragen auch in der Stadt nach nachhaltigen Befüllungsmöglichkeiten.

Die Mitarbeiter*innen der Mensa werden in Kochworkshops geschult, sodass sich die Qualität und Auswahl an vegetarischen und veganen Gerichten stetig ausweitet und verbessert. Zum Weltvegantag gibt es zusätzlich Aktionsangebote. Zudem werden die Studierenden für das Thema sensibilisiert, indem das Klimaschutzmanagement mit einem Stand in der Mensa informiert und in Umfragen Studierende zu Wort kommen lässt. Wir bewerben Angebote explizit, sodass für jede*n sofort ersichtlich ist, welche Produkte vegetarisch, vegan, biologisch oder Fairtrade sind. Beilagen lassen sich mühelos nach Geschmack zusammenstellen. Dadurch erweitert sich die Palette an vegetarischen und veganen Gerichten.

Die Mensa kann Getränke im FairCup günstiger anbieten, sodass auch ein finanzieller Anreiz besteht, auf die Mehrweg-Variante zurückzugreifen und Müll zu vermeiden. Das Klimaschutzmanagement beobachtet und passt bei Bedarf regelmäßig Strom und Wärmebedarf an.

Wir haben die Einwegbecherquote gegenüber dem Vorjahr um 12,95 % reduziert. 2019 wurden 9.337 Einwegbecher weniger verbraucht. Gleichzeitig wurden 2.500 Heißgetränke im FairCup verkauft. Der Verkauf im mitgebrachten Becher ist um 3.889 Heißgetränke gestiegen.

Der Anteil der veganen Gerichte ist um 8,67 % gestiegen und der vegetarische Anteil um 0,9 %. Insgesamt beträgt der Anteil der Gerichte ohne Fleisch nun 44,32 %. Mit der Annahme, dass ein umgestelltes Fleischgericht 1 kg CO2 einspart, haben wir den CO2-Verbrauch 2019 um 14,3 t reduziert.

In den Jahren 2018/19 haben wir im Vergleich zu den drei Vorjahren in der Hauptmensa 9 % weniger Wärme (13 t CO2) und 4,5 % weniger Strom (8 t CO2) benötigt.

Unser Projekt ermöglicht den Studierenden und Hochschulmitarbeiter*innen langfristig, die vegetarische und vegane Küche kennenzulernen und wertzuschätzen. Sie integrieren die Ernährungsumstellung auch in ihren häuslichen Speiseplan.

Der Verzicht auf Wegwerfbecher schärft dauerhaft den Blick für Mehrweg-Produkte im Alltag.

Das Studentenwerk hat breite Strukturen zur Förderung der Nachhaltigkeit in den Mensen, Cafeterien und Café Lounges geschaffen. Es gibt einen Preisnachlass für Heißgetränke im mitgebrachten Becher sowie im Pfand-To-Go-Becher. Das Studentenwerk bietet Pfand-To-Go-Systeme zurzeit für Heißgetränke in allen Betrieben in Flensburg (FairCup) und Kiel (Tobego) an. FairCup wird auch für To-Go-Salate an der Salatbar genutzt. Außerdem verkauft das Studentenwerk einen Mehrweg-Bambusbecher. Regelmäßige vegane Kochworkshops motivieren die Köch*innen und Cafeteria-Mitarbeiter*innen, die Vielfalt des Angebots zu erhöhen. Rund um den 1. November feiern wir den Weltvegantag mit attraktiven veganen Aktionsangeboten.

Im Jahr 2018 hat die studentische Vertretung des Referats für Ökologie die Veränderung hin zu einem Mensaangebot mit mehr vegetarischen und veganen Optionen adressiert. In direkten Gesprächen mit der Mensaleitung wurden Vorschläge diskutiert. Eine Befragung mit 1.000 Rückläufen legte die Wünsche der Hochschulmitglieder offen, brachte eine große Resonanz und diente neben den allgemeinen Bestrebungen des Studentenwerks als zusätzliche Bestärkung zur Transformation.

→ Jan. 2015: Festlegung einer Strategie und einer Vision für den Campus bezüglich Nachhaltigkeit und Klimaschutz

→ Okt. 2015: Schaffung von Kapazitäten (Ressourcen, Personal) zur Begleitung des Umsetzungsprozesses

→ Jan. 2018: Erhebung eines Stimmungsbildes unter den Hochschulmitgliedern bezüglich vegetarischer und veganer Gerichte

→ Mai 2018: Durchführung von Kochkursen und Umsetzung von Ideen und Veränderungen

→ Okt. 2019: Optimierung der Heizzeiten

→ März 2019: Optimierung der Beleuchtungszeiten und -steuerung

→ Mai 2019: Einführung eines Pfandbecher-Verleihsystems

Für eine hohe Akzeptanz unter Studierenden und Beschäftigten sorgten eine gute Öffentlichkeitsarbeit rund um Nachhaltigkeitsaktivitäten, ein attraktives Angebot klimagerechter Speisen und bequeme Mehrwegsysteme. All dies verbunden brachte Klimaschutz, Genuss und Komfort zu moderaten Preisen in die Mensa.

Es gab am Campus Flensburg eine große Umfrage zur Abschaffung von Pappbechern auf dem Campus: Über 1.000 Hochschulmitglieder (92 % der Antwortenden) befürworteten das. Im Idealfall würde der Campus zu einem Reallabor zur Erprobung einer vollständigen Abschaffung von Pappbechern in der gesamten Stadt und Region Flensburg werden.

Bisherige Erfolge

  • Reduktion der Einwegbecherquote im Jahr 2019 um 12,95 % ggü. Vorjahr
  • CO2-Einsparung um 14,3 t durch Umstellung auf 44,32 % vegetarische und vegane Gerichte
  • Energieeinsparung von 9 % im Wärmebereich (entspricht 13 t CO2) und von 4,5 % im Stromverbrauch (entspricht 8 t CO2)
Initiiert von

  • Studierenden
  • Lehrenden / Forschenden
  • Verwaltungsmitarbeitenden
  • Hochschulleitung

Besteht seit: 2018