Mobilitäts- & Verkehrsstrategie

Ruhr-Universität Bochum

Foto: RUB, Marquardt

Die Ruhr-Universität Bochum hat ein Mobilitätsmanagement mit dem Grundsatz eingeführt und etabliert, eine gleichwertige Teilnahme aller Verkehrsteilnehmer*innen am Verkehr zu ermöglichen. Weiterhin soll dem Wunsch von Studierenden und Beschäftigten nachgekommen werden, den Umweltverbund vermehrt zu nutzen und damit einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.

Bereits im Jahr 2011 waren der Hauptzubringer des ÖPNV zur Universität, die U35, und der auf dem Campus verfügbare Parkraum an ihrer Kapazitätsgrenze angelangt. Gleichzeitig stand in Nordrhein-Westfalen der doppelte Abiturjahrgang vor der Tür. Die Ruhr-Universität Bochum (RUB) hatte zugesagt, über 4.500 zusätzliche Studierende aufzunehmen. Dies bedeutete eine große organisatorische Herausforderung, ebenso im Bereich Verkehr. So bestanden die Optionen, entweder zusätzlichen Parkraum zu schaffen oder in Maßnahmen des Mobilitätsmanagements zu investieren.

Die eingesetzte Projektgruppe RUB.2013 initiierte daraufhin das Projekt MOVE. Eine Anfang 2012 durchgeführte Mobilitätsbefragung brachte grundlegende Informationen. Die Ergebnisse zeigten u.a. den Bedarf an gesicherten Fahrradabstellanlagen und den Wunsch vieler Teilnehmer*innen, vermehrt das Fahrrad oder den ÖPNV zu nutzen. Zudem stellte sich heraus, dass Studierende im Wohnheim häufig kein Fahrrad besitzen. Anhand der Ergebnisse definierten wir Ziele und entwickelten eine Strategie, woraus wir Maßnahmen ableiteten und umsetzten. Das Rektorat verabschiedete 2013 die Mobilitäts- und Verkehrsstrategie MOVE. Nach Abschluss dieses Projekts verstetigten wir MOVE als ein Bestandteil des Baudezernats der Universitätsverwaltung. Mithilfe einer erneuten Befragung (2014) evaluierten wir die bisherigen Maßnahmen und entwickelten die Strategie unter dem Titel MOVE 2020 weiter.

MOVE verfolgt zwei Handlungsprinzipien: Allen Verkehrsteilnehmenden soll eine gleichwertige Teilnahme am Verkehr ermöglicht werden, ohne einzelne Gruppen zu übervorteilen. Überdies soll der Wunsch von Studierenden und Beschäftigten aufgegriffen werden, den Umweltverbund stärker zu nutzen, um einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.

MOVE 2013 zeichnet sich durch kurzfristige Ziele aus, die konkret die Herausforderungen des doppelten Abiturjahrgangs adressierten:

→ Reduktion Nachfrage Parkmöglichkeiten

→ Reduktion Auslastung ÖPNV zu Stoßzeiten

→ Reduktion von Problemen des zu erwartenden zusätzlichen Pendelverkehrs

→ stärkere Berücksichtigung nachhaltige Mobilitätskultur bei baulicher Campusentwicklung

MOVE 2020 beinhaltet langfristigere Ziele:

→ Verstetigung, Optimierung und Ausbau bereits umgesetzter Maßnahmen und Angebote

→ Verbesserung Barrierefreiheit und Wegequalität

→ Erhöhung Fahrradanteil auf Campus durch organisatorische & infrastrukturelle Maßnahmen; verbesserte Rad-Erreichbarkeit der Universität

→ Verbesserung der ÖPNV-Situation

→ Reduktion Nachfrage nach Parkraum für Pkw durch gute Alternativangebote

→ Stetige Nutzung der Campussanierung zur Verbesserung der Basisinfrastruktur

MOVE richtet sich an alle Studierenden und Beschäftigten der RUB. Die Strategie gliedert sich in sechs Handlungsfelder: zu Fuß / Campus, Fahrrad, ÖPNV, MIV und Wohnen sowie Kommunikation und Information als Querschnittsaufgabe. Sie adressiert insbesondere den Anreiseverkehr und die Mobilität auf dem Campus. MOVE fördert nachhaltige Mobilität durch Maßnahmen zur Steigerung der Attraktivität des Umweltverbunds (zu Fuß, Fahrrad, ÖPNV). Erreichbarkeit und Fortbewegung auf dem Campus sollen durch eine verbesserte Infrastruktur, neue Angebote und begleitende Kommunikationsmaßnahmen nachhaltig verbessert werden.

MOVE ist in der Universitätsverwaltung im Dezernat für Bau und Liegenschaften in der Abteilung Strategische Campusentwicklung verankert. Zwei unbefristete Vollzeitstellen stellen die Umsetzung und Weiterentwicklung sicher. Das Team ist mit vielen anderen Bereichen der Universitätsverwaltung vernetzt, z.B. mit dem Betrieb, dem Gesundheitsmanagement und der Kommunikation.

Darüber hinaus werden in einem regelmäßigen Jour Fixe weitere Gremien und Akteure der Universität sowie die Stadt Bochum beteiligt. Im Einzelnen sind dies:

→ Allgemeiner Studierendenausschuss (AStA)

→ Personalräte

→ Schwerbehindertenvertretung

→ Gleichstellungsbeauftragte

→ Betrieb (Infrastrukturelles Gebäudemanagement, zuständig u.a. für Verkehrssicherung)

→ Stadt Bochum

Wir konnten bereits eine Vielzahl von Maßnahmen umsetzen wie z.B.:

→ zu Fuß / Campus: Einführung eines Wegeleitsystems mit barrierefreier Alternativbeschilderung; Bau von Rampenanlagen für eine bessere Durchlässigkeit des Campus für Rollstuhlfahrende, Radfahrende und Personen mit Kinderwagen; Erstellung eines neuen Campusplans

→ Fahrrad: Einführung und Ausbau des Fahrradverleihsystems metropolradruhr mit 17 Stationen auf dem Campus, Kooperationen mit Akademischem Förderungswerk und Stadt zum Aufbau von 29 weiteren Stationen sowie mit AStA zur Vereinbarung eines besonders attraktiven Tarifs für Studierende; Ersatz alter „Felgenbrecher“ durch über 450 neue Anlehnbügel; Neubau von acht Fahrradboxen für 180 Räder; Öffnung einer Einbahnstraße für den Radverkehr; Ausbau eines Zweirichtungsradweges als Protected Bikelane; kleinere bauliche Infrastrukturmaßnahmen zur besseren Durchlässigkeit Campus für Radverkehr; Aufstellung von Fahrradreparaturstationen; Einführung Alternative zum Fahrradleasing; Teilnahme an Fahrradaktionen wie Stadtradeln zur Sensibilisierung und Aktivierung; Campus- und Anfahrtsplan für Radfahrende

→ ÖPNV: Anpassung von Vorlesungszeiten, um Stoßzeiten des ÖPNV zu entzerren; Ergänzung zum Firmenticket für die angrenzenden Verkehrsverbünde; übertragbare ÖPNV-Tickets für Dienstgänge im Stadtgebiet

→ MIV: Bewerbung des Pendlerportals für Fahrgemeinschaften; Erstellung von Parkplatzplänen für eine bessere Auffindbarkeit der Parkplätze

→ Kommunikation & Information: Webseite mit Informationen zur Anreise und zu MOVE; Plakate und Flyer; Newsletter; Mobilitätsinformationen in der RUB-App; Informationsstände bei der Immatrikulation, beim Sommerfest o.Ä.; Artikel und Berichte über das Newsportal der RUB; Durchführung von Aktionstagen

Regelmäßige Auswertung messbarer Maßnahmen:

hohe Ausleihzahlen Fahrradverleihsystem metropolradruhr (in Bochum 83.000 bis 125.000 Ausleihen pro Jahr seit 2015)

hohe Auslastung Fahrradabstellmöglichkeiten (Fahrradständer und -boxen)

positive Veränderung des Modal Splits 2012 bis 2014: Anteil MIV bei Beschäftigten -8,3 %P und bei Studierenden -9,6 %P, zugleich ÖPNV-Anteil +4,7 %P bzw. +7,9 %P sowie Anteil Radverkehr +1,6 %P bzw. +1,2 %P; auch vermehrte Nutzung intermodaler Verbindungen, wie Kombination ÖPNV und Fahrrad +0,6 %P bzw. +0,5 %P

MOVE hat zudem wertvolle Beiträge für die Campusentwicklung und die allgemeine Verkehrs­planung in Bochum geleistet: Gemeinsam mit der Hochschule Bochum, der Hochschule für Gesundheit, der Stadt und dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW wurde ein integriertes Mobilitätskonzept für den Campus entwickelt. Dieses Konzept bildet zukünftig den Rahmen für die kurz-, mittel- und langfristige Koordination von verkehrsplanerischen Maßnahmen im Campusareal. Überdies ist die RUB festes Mitglied im Beirat Mobilität der Stadt Bochum. So hat die RUB auch am Bewerbungsantrag der Stadt um die Aufnahme in die Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in NRW mitgewirkt.

MOVE war als Projekt angelegt und wurde dann verstetigt. Das MOVE-Team entwickelt kontinuierlich die Strategie weiter. Die Fortführung ist dank fester Stellen in der Uni-Verwaltung gesichert. Das Team übernimmt die gesamte Projektkoordination sowie die Abstimmung mit internen und externen Akteur*innen. Neben dem Mobilitätsmanagement sind auch das Energiemanagement sowie das Nachhaltigkeitsbüro in der Abteilung der Strategischen Campusentwicklung angesiedelt, wodurch ein enger interdisziplinärer Austausch in verschiedenen Nachhaltigkeitsbereichen stattfindet.

→ 2012, 2014 und 2019 Durchführung Mobilitätsbefragungen: In diesem Kontext war es allen Studierenden und Beschäftigten möglich, ihre eigenen Erfahrungen mitzuteilen und Anregungen einzubringen. Die Befragungen sind die Grundlage der Strategie.

→ Die Einführung und Etablierung des Fahrradverleihsystems metropolradruhr erfolgte in enger Zusammenarbeit zw. AStA und Verwaltung.

→ Ein Seminar am Geographischen Institut begleitete 2014 die Fortschreibung der Strategie.

→ Die Studierendenschaft ist Teil des MOVE-Jour Fixes, in dem auch weitere Gremien der RUB vertreten sind.

→ Sommer 2011: Entscheidung für Mobilitätsmanagement im Rahmen des Projekts zum doppelten Abiturjahrgang

→ Januar 2012: Durchführung der 1. Mobilitätsbefragung durch Projektgruppe RUB.2013

→ 1.HJ 2012: Aufstellung der Strategie durch die Projektgruppe RUB.2013

→ Sommer 2012: Rektorat beschließt Strategie

→ Sommer 2013: Verstetigung des Projekts durch dauerhafte Integration in Baudezernat

→ Januar 2014: Durchführung der 2. Mobilitätsbefragung durch das MOVE-Team

→ 2014: Fortschreibung Strategie in Kooperation mit Seminar am Geographischen Institut

→ Mai 2014: zweite Vollzeitstelle verstärkt Team

→ Januar 2015: Verabschiedung der fortgeschriebenen Strategie durch das Rektorat

→ Juli 2019: Durchführung der 3. Mobilitätsbefragung in Kooperation mit Forschungsprojekt

„Nachhaltigkeit und Verkehr müssen keine Gegensätze sein. Das Mobilitätsmanagement bietet viele Möglichkeiten, den Umweltverbund zu stärken.“

MOVE wird auch über 2020 hinaus stetig weiterentwickelt: Vorhandene Maßnahmen werden verbessert und sinnvoll ausgebaut. Es gibt einige Bereiche des Mobilitätsmanagements, die bislang nicht Teil der Strategie sind, die aber im Rahmen einer ganzheitlichen Nachhaltigkeitsstrategie betrachtet werden könnten.

Da sich die RUB mitten in der Campussanierung befindet, gibt es auch zukünftig immer wieder neue Anknüpfungspunkte, um die Mobilität auf dem Campus zu verbessern. Darüber hinaus baut die RUB einen neuen Standort auf dem ehemaligen Opel-Gelände MARK 51°7 auf. Hierfür erarbeiten wir derzeit gemeinsam mit der Stadt und weiteren Akteur*innen ein Verkehrskonzept für eine nachhaltige Anbindung an den Campus. Außerdem bietet sich die einmalige Gelegenheit, Maßnahmen des Mobilitätsmanagements von Anfang an zu integrieren.

Bisherige Erfolge

  • Veränderung des Modal Splits: sinkender Anteil von Autofahrten und gleichzeitig wachsender Anteil des Umweltverbunds (Fuß-, Radverkehr, ÖPNV)
Initiiert von

  • Verwaltungsmitarbeitenden
Die Hochschule in Zahlen

  • 43.000 Studierende, 5.800 Beschäftigte, 20 Fakultäten

Besteht seit: 2012, verstetigtes Projekt

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