Regulierung dienstlicher Kurzstreckenflüge

Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde

Illustr. Foto: Sarah-Maria Hartmann

An der HNEE waren 2018 ca. 10 % der CO2-Emissionen auf Kurzstreckenflüge zurückzuführen. Darauf bezogen entschied sich das Präsidium, dass Dienstreisen mit einem Aufwand von bis zu zehn Reisestunden bzw. unter 1.000 km Flugstrecke in Zukunft mit der Bahn zurückzulegen sind.

Die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) ist sich ihrer Verantwortung als Mitverursacherin von Klimaveränderungen bewusst. In diesem Kontext entwickelte die Hochschule 2014 ein Klimaschutzkonzept, das darauf abzielt, bis 2020 40 % weniger CO2-Emissionen zu verursachen.

Um dem Prinzip einer klimafreundlichen Hochschule zu entsprechen, haben wir umfangreiche Maßnahmen umgesetzt. Gerade im Bereich Mobilität kann durch klimafreundliches Verhalten ein großer Beitrag geleistet werden. Das Semesterticket der HNEE wurde in Kooperation mit Partner*innen der Verkehrsunternehmen und dem AStA klimaneutral aufgestellt. Wir haben ein als Carsharing betriebenes E-Auto und eine Schnellladesäule angeschafft. E-Bikes stehen den Angestellten für den Verkehr zwischen den Campi bereit.

Und letztlich: Was vorher auf einer freiwilligen Selbstverpflichtung beruhte, ist jetzt bindend; die HNEE verzichtet auf Kurzstreckenflüge bei Dienstreisen. Damit sind Flüge zu Zielorten gemeint, die auch mit einer Bahnfahrt in zehn Stunden Reisezeit bzw. unter 1.000 km Flugstrecke erreichbar sind. Wenn dennoch Flugreisen notwendig erscheinen (z.B. aus Gründen der Vereinbarkeit mit familiären Verpflichtungen), braucht es dafür eine Begründung und Beantragung gegenüber Vorgesetzten. Dauert die Zugfahrt zum Zielort der Reise länger als zehn Stunden, können HNEE-Hochschulmitglieder überlegen, ob sie in ein Flugzeug steigen. Zuvor wird jedoch hinterfragt, ob eine Dienstreise notwendig ist oder ob das Dienstgeschäft auch telefonisch oder per Videokonferenz durchgeführt werden kann.

→ Reduktion der Treibhausgasemissionen der Hochschule

→ Handlungsmöglichkeiten für Klimaschutz aktiv nutzen

→ Vorbildwirkung

In den Nachhaltigkeitsgrundsätzen der HNEE ist ein achtsamer und sparsamer Umgang mit Ressourcen fest verankert. In den Leitlinien für eine klimafreundliche Hochschule sind Effizienz und Suffizienz explizit benannt. Ziel ist die Senkung der durch die Hochschule verursachten CO2-Emissionen. Dazu setzen wir verschiedene Maßnahmen um. Wir möchten damit nicht nur unseren Beitrag zur Einhaltung des Pariser Klimaabkommens und des damit eingeschlossenen 1,5°-Ziels leisten, sondern auch das Bewusstsein der Hochschulmitglieder für einen nachhaltigen Ressourcenverbrauch schärfen. Dienstreisen lassen sich auch mit einer Bahnfahrt bewerkstelligen oder häufig durch eine Online-Konferenz ersetzen.

Die Referentin für Nachhaltigkeit berät die Hochschulleitung u.a. zum nachhaltigen Betrieb und entwickelt gemeinsam mit den jeweiligen Verantwortlichen Maßnahmen zur Umsetzung. Als Grundlage dienen die vom Senat beschlossenen Nachhaltigkeitsgrundsätze, die Leitlinien für eine klimafreundliche Hochschule und im Ursprung dem vorgelagert das validierte Umweltmanagementsystem nach EMAS (Eco Management and Audit Scheme).

Mit dem Votum des Präsidiums zur Vermeidung von Kurzstreckenflügen erfolgte der Schritt von einer freiwilligen Selbstverpflichtung zur bewussten Übernahme von Verantwortung für das Mobilitätsverhalten der Mitarbeiter*innen durch die Hochschule.

Durch die neue Regulierung zur Vermeidung von Kurzstreckenflügen sparen wir als Hochschule zukünftig voraussichtlich ca. 30 t CO2 pro Jahr ein. Die Berechnung basiert auf den tatsächlich stattgefundenen Kurzstreckenflügen des Jahres 2018 – ca. 50 Flüge mit Emissionen zwischen 200 und 800 kg CO2-Äquivalente pro Flug.

Auswirkungen auf die CO2-Bilanz sind noch nicht darstellbar, da der Präsidiumsbeschluss erst Ende 2019 erfolgte. Es ist das erklärte Ziel, die Notwendigkeit von Dienstreisen generell zu hinterfragen und bevorzugt auf andere klimaschützende Verfahren (z.B. Videokonferenzen) zurückzugreifen. Grundsätzlich kompensieren wir seit 2015 alle von festangestellten Mitarbeiter*innen der Verwaltung und der Fachbereiche durchgeführten Dienstreisen. Gleiches gilt für die Emissionen aus dem Fuhrpark, aus der Nutzung von Wärme- und elektrischer Energie sowie aus dem Verbrauch von Papier und Wasser.

Anfang 2020 ist das Präsidiumsvotum in Kraft getreten. Die Maßnahme ordnet sich in das fest in den Strukturen der Hochschule verankerte Klima- und Umweltmanagement ein und verfolgt den Anspruch, negative Umweltauswirkungen (auch CO2-Emissionen) kontinuierlich zu verringern.

Im Rahmen des EMAS-Umweltmanagements wird regelmäßig alle ein bis zwei Jahre eine Umfrage zur Umweltsituation an der HNEE unter allen Hochschulmitgliedern durchgeführt. Darin äußerten Teilnehmer*innen oftmals den Wunsch, die CO2-Emissionen der Hochschule durch eine Regulierung bzw. Einschränkung der dienstlichen Flugreisen zu reduzieren.

→ In den Nachhaltigkeitsgrundsätzen (2013) und im Klimaschutzkonzept (2015) sind Maßnahmen zur Verminderung der von der Hochschule ausgehenden CO2-Emissionen festgelegt. Diese stellen ein dynamisches System dar, das wir stetig weiterentwickeln.

→ Sommer 2019: erste Diskussionen zur verpflichtenden Beschränkung von Flugreisen, auch angeregt durch die Fridays for Future-Bewegung (inkl. Students und Scientists for Future)

→ September 2019: erstmalige Präsidiumsdiskussion über das Thema Vermeidung von Kurzstreckenflügen

→ Dezember 2019: Verabschiedung des Votums

→ Januar 2020: Inkrafttreten der Regelung

» Verlässlichkeit der Bahn vorausgesetzt, ist man im Vergleich zu einer meist hektischen Flugreise, die auf kurzen Strecken kaum einen effektiven Zeitgewinn bringt, deutlich entspannter und zufriedener unterwegs, kann man doch eine mehrstündige Bahnfahrt effektiv zum Arbeiten nutzen. Entschleunigung im ICE-Sprinter von Berlin nach Frankfurt oder München bei knapp 300 km/h ist kein Widerspruch. Setzt man dann noch alle (im Kontext der Corona-Ausgangsbeschränkungen erworbenen) Kompetenzen zur digitalen Kommunikation zielorientiert ein, so erübrigt sich letzten Endes vielleicht sogar die Bahnfahrt. « (Prof. Dr. Uta Steinhardt, Vorsitzende des Senats der HNEE)

Wir werden unsere Nachhaltigkeitsgrundsätze weiterentwickeln und unser Umwelt- und Klimaschutzmanagement noch konsequenter verzahnen. Außerdem möchten wir Methoden einer Bildung für nachhaltige Entwicklung intensiver mit der Entwicklung der nachhaltigen Hochschule verbinden. Die Erfahrungen des betrieblichen Umwelt- und Klimaschutzmanagements integrieren wir weiterhin in die Lehre. Im Rahmen von Vorlesungen, Modularbeiten, Praktika und Abschlussarbeiten werden wir weitere Instrumente und Maßnahmen des Umwelt- und Klimaschutzmanagements konzipieren und erproben.

Bisherige Erfolge

  • Votum der Hochschulleitung zur Vermeidung von Kurzstreckenflügen im Rahmen des Klimaschutzkonzepts
  • Kompensation aller Reisen in ihrer Klimawirkung (CO2) in einem von der HNEE initiierten und betreuten Regenwald-Schutzprojekt
Initiiert von

  • Verwaltungsmitarbeitenden
  • Hochschulleitung

Besteht seit: Dezember 2019

Kontaktdaten für Interessierte

Institution: HNEE Eberswalde
Bereich: Forschung, Lehre, Betrieb, Governance, Suffizienz
Ansprechpartner*innen:
Kerstin Kräusche, Referentin für Nachhaltigkeit
Henning Golüke, Klimaschutzmanager

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