Virtueller Lehr- und Erlebnispfad KARN

Hochschule Aalen, Stadt Aalen und Bildungsträger der Stadt Aalen

I Foto: Patrick Mueller ■ Unsplash

Im Rahmen des Umweltprojekts » Grüner Aal « der UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung ist ein virtueller Naturpfad entlang der vier Gewässerverläufe um Aalen entstanden. Seitdem kooperiert die Hochschule Aalen mit Organisationen rund um Aalen, um an diesem Weg Projekte zu realisieren.

Der virtuelle Lehr- und Erlebnispfad KARN (Kocher-Aal-Rombach-Nachhaltigkeitsweg) ist ein gemeinsames Projekt der Hochschule Aalen, der Lokalen Agenda 21 Aalen und der Stadt Aalen. Er entstand aus dem Wunsch, den Bürger*innen interaktiv und raumbezogen in Landschaft und Stadt das Thema Nachhaltigkeit nahezubringen. Überdies soll der Pfad durch die Interaktion und den persönlichen Bezug auch Verhaltensänderungen bewirken. Im Laufe der Zeit sind Ideen aus vielfältigen Projekten eingeflossen.

KARN besteht aus Teilwegen zu Themen der nachhaltigen Entwicklung in und um die Stadt Aalen. Diese lassen sich zu einem Rundweg zusammenstellen. Die Informationsvermittlung geschieht primär durch Social Media (Facebook), soll aber durch Apps, Flyer und Webseiten ergänzt werden. Entlang des Pfads sollen kleine Schilder mit QR-Codes auf den Pfad und seine Verlinkungen aufmerksam machen. Die Besucher*innen können auf Facebook auch selbst Inhalte, Bilder und Erlebnisberichte einstellen (User-generated content, Web 2.0). Damit werden die Besucher*innen zu Beitragenden, die Wanderer zu Redakteur*innen. In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass die Besucher*innen umfangreichere Informationen vor Ort wünschen. KARN wurde deshalb um einige Tafeln ergänzt, die auf den Weg und lokale Highlights hinweisen.

Der Pfad greift Themen wie Stadtentwicklung, Wirtschaft und Industrie, Rohstoffe und Geologie, Biodiversität, Integration und Inklusion, Ernährung, Wasser, Energie etc. auf und vernetzt diese mit der Region und untereinander.

Die Konzeption des Pfads integriert Aktions- und Erlebnisorientierung mit raumbezogenen Komponenten. Zudem werden Bildung für nachhaltige Entwicklung und Social Media verknüpft und inhaltliche Elemente der Geologie, Geschichte, Wirtschaft und Ökologie ebenso aufgegriffen wie gesellschaftliche Fragestellungen, Aspekte der Stadtentwicklung und des Grünflächen- und Klimaschutzkonzepts der Stadt Aalen. KARN bezieht das lokale Umfeld der Bürger*innen und moderne technische Entwicklungen ein, um globale Zusammenhänge zu vermitteln und insbesondere Jugendliche zur Mitgestaltung zu aktivieren.

Die Komponenten von KARN wurden in studentischen Projekten der Hochschule Aalen mit Unterstützung des Grünflächen- und Umweltamtes der Stadt erstellt. Neben Inhalten und Konzepten haben Studierende konkrete Implementierungen in Form von Flyern und Facebook-Seiten sowie im Gelände vorgenommen. Sie wirken als Redakteur*innen der KARN-Facebook-Seite mit. KARN selbst soll im Internet und in der Realität möglichst partizipativ, generationsübergreifend, umweltschonend und barrierefrei gestaltet sein. Studierende haben bereits die erste KARN-Tafel entworfen, die an der Hochschule aufgestellt wird.

Die Grundstruktur und der Name orientieren sich dabei an den Gewässern Kocher, Aal und Rombach. Aufgrund der geologischen Besonderheiten der Aalener Bucht bilden sie fast ein Rechteck. In diesem fließt der Rombach mit seinen Nebenbächen von der Quelle zunächst nach Süden, als Aal nach Osten und in Aalen mündet er in den nordwärts fließenden Kocher, der nach Westen in Richtung Rhein abbiegt.

→ Vermittlung von BNE

→ Interaktion und Motivation durch Beteiligung und eigene Beiträge

→ Herstellen eines persönlichen Bezugs zum Thema und von Betroffenheit

→ Integration von Aktions- und Erlebnisorientierung mit raumbezogenen Komponenten

→ Integration von BNE und Social Media

→ Einbindung von Studierenden in Konzeption und Umsetzung

→ Ansprache und Einbindung von Jugendlichen

… Verhaltensänderungen durch Motivation und Aufzeigen von Konsequenzen: Das können direkt sichtbare Veränderungen sein, die von Besucher*innen dokumentiert und in die KARN-Medien eingegeben werden (z.B. Fotos auf Facebook) oder komplexere Zusammenhänge, die das Redaktionsteam oder die Studierenden einpflegen.

… direkte Verhaltensänderungen durch Aufzeigen von Alternativen im Rahmen der KARN-Informationen zu Müll, Naturschutz, Einkaufsverhalten und dem Umgang miteinander.

… Verhaltensänderungen und Wertewandel hin zu einer nachhaltigen Entwicklung, indem ein Verständnis für globale Zusammenhänge anhand lokaler Bezüge vermittelt wird: z.B. Klima, Wetter und Hochwasser; Ressourcen und Geologie; Flüchtlinge und Wohnsitzlose und globale Krisen; Wirtschaft und Energie; Stadtentwicklung; Natur und Grünflächen uvm.

… Veränderungen des Konsumverhaltens im Bereich der Mobilität, da die Leute zum Bewandern des Pfads und weiterer Routen (Panoramaweg, Lehrpfade) motiviert werden.

Akteur*innen der Hochschule und der Lokalen Agenda 21 (Projektgruppe BNE / Grüner Aal) sammeln Ideen. Daraus entstehen Themen für studentische Projekte, die von den Projektteams in Ziele und konkrete Aktionen umgesetzt werden.

Die Schwerpunkte der studentischen Projekte variieren jedes Semester. Beispiele für Projektschwerpunkte sind:

→ inhaltliche Themen wie z.B. Ressourcen, Wasser und Politik

→ Themen über den Pfad wie z.B. Barrierefreiheit und Erlebnisorientierung

→ technische Themen wie z.B. GPS und QRC

→ räumliche Themen wie z.B. Innenstadt, Quartier, Bachabschnitt und Biotop

→ aktionsorientierte Themen wie z.B. KARN-Wanderung, Umfrage und Schilder

Der KARN-Weg existiert vor allem als virtueller Pfad im Rahmen einer Facebook-Seite. Diese hat inzwischen über 220 Likes bzw. Follower. Über zehn Teams führten die Seite weiter. Bei engagierten Teams fungierten die Projektleiter*innen gleichzeitig als Administrator*innen. Diese Teams haben auch den Pfad weiterentwickelt und spezielle Themen (Ökologie, Wasserkraft, Unternehmen in der Aalener Geschichte, Nutzungskonflikte etc.) vertieft.

Weitere Gruppen haben Erweiterungen aus dem Rechteck Rombach-Aal-Kocher heraus in Richtung des Ursprungs des Kochers vorgenommen. Außerdem wurden weitere Gewässer und lineare Strukturen (historische Bahntrasse) betrachtet. Es gab Gruppen, die den Schritt vom Virtuellen zum Reellen gemacht haben. Circa 60 Studierende beteiligten sich bislang direkt am Projekt, ungefähr 800 wurden durch Semesterpräsentationen oder kooperative Projekte erreicht.

Der KARN-Weg sensibilisiert und stellt Bezüge zur Lebensrealität der Bürger*innen her. Dadurch wandelt sich z.B. das Konsum- und Tourismusverhalten. Der Pfad vermittelt direkt auf der Strecke und durch Fotos Ansätze des Gelingens. Der Weg soll weiterhin eine touristische Bereicherung sein sowie zur Naherholung einladen. Letztlich dient er auch der Vernetzung der beteiligten Schulen und Bildungsträger. Die Schulen sind dabei direkte Anlieger des KARN-Wegs, Beteiligte an Biotopen oder anderen Objekten, Beitragende zur Weiterentwicklung, zur Integration von KARN in den Grünen Aal oder allgemein zur Bildung für nachhaltige Entwicklung.

Durch die Projektmethoden PPM (Prepared Project Method) und ESPRESSO (Sustainability Projects) sind die studentischen Projekte fest in die Lehre der Hochschule integriert. KARN sowie die Themen Regionalität und Suffizienz spielen im Rahmen des Projektportfolios in jedem Semester eine Rolle.

Das lokale Bildungsnetzwerk Nachhaltigkeit Ostwürttemberg (BN²OW) wurde durch die United Nations University zur Bildung für eine nachhaltige Entwicklung als Regionales Kompetenzzentrum anerkannt. Das ermöglicht, den Pfad und das Konzept auf die Region Ostwürttemberg zu erweitern (Rems, Jagst, Brenz).

Die Lokale Agenda 21 trägt mit den Projektgruppen Grüner Aal und Weststadt zur Entwicklung von KARN bei. Einige der beteiligten Schulen der erstgenannten Projektgruppe liegen am KARN-Weg und integrieren u.a. diesen in ihr Lehrkonzept.

In fast jedem Semester sind Studierende über lehrveranstaltungsbegleitende Projekte eingebunden (siehe oben). Die Teams bekommen eine grobe Aufgabe und können Inhalt, thematische Schwerpunkte und operative Ziele selbst bestimmen. Die studentischen Projekte haben zum Konzept, zu einzelnen Punkten und zur Facebook-Seite (als Administrator*innen / Redakteur*innen) einen Beitrag geleistet.

Neben den Studierenden sollen auch Schüler*innen über studentische Projekte in das Projekt KARN eingebunden werden.

→ 2010: Konzeption virtueller Pfad

→ 2012: Einbindung der Schulen im Grünen Aal

→ 2013: Start Facebook-Seite, kontinuierlicher Aufbau

→ 2014: Anerkennung als Beitrag zu UN-Dekade BNE

→ 2016: Ausbau der virtuellen Pfade auf Facebook

→ 2018: Durchführung Befragung – Teilnehmer*innen wünschen sich auch eine physische Präsenz

→ 2019: Konzeption Beschilderung für 2020 (Verzögerung durch Corona)

→ 2021: große Tafel und QRC-Schild an der Hochschule

→ 2022: Hinweistafeln an markanten Punkten, QRC-Codes an allen Stellen

Die studentischen Teilnehmer*innen der einzelnen Projekte sowie die Partner*innen bei der Stadt haben durchweg positive Rückmeldungen gegeben.

Die Deutsche UNESCO-Kommission hat den » Virtuellen Nachhaltigkeitsweg Kocher-Aal-Rombach – KARN « als Beitrag im Rahmen der UN-Dekade BNE ausgezeichnet.

→ Projekt publik machen und Nutzung erhöhen: u.a. Aufnahme in touristische Informationen; gezielte KARN-Events (Wanderungen, Flashmobs); Führungen auf dem KARN-Weg; Integration in das beantragte Reallabor KliBS (Klima-Bildungs-Stadt Aalen)

→ Verstetigung: u.a. Verstetigung der Projekte und Projektmethode an der Hochschule; Gewinnung von Studierenden und Agenda-Aktiven über längere Zeiträume

→ Ausbau des Weges: Tafeln (physische Tafeln, QR-Codes); Fernrohre (Lenkung des Blicks auf bestimmte Punkte); GPS-Empfänger und Quiz

→ Vernetzung: verstärkte Einbindung von Schulen und des Umweltmanagementsystems Grüner Aal; Nutzung des Netzwerks RCE Ostwürttemberg u.a. zur Erweiterung des Konzepts über die Stadtgrenzen hinaus

→ räumliche Erweiterung: u.a. Integration und Reaktivierung des geologischen Pfades, insbesondere zu Themen wie Ressourcen, Energie und Wasser sowie Evolution

Bisherige Erfolge

  • Aalener Schulen haben Patenschaften von einzelnen Wegabschnitten übernommen. Nachhaltigkeit ist durch den Pfad direkt zu erfahren und Aalen unmittelbar zu genießen. Letzteres gelingt durch die in das Projekt eingebundenen Museen und Erlebnisbereiche wie z.B. Spielplätze.
Initiiert von

  • Studierenden
  • Lehrenden / Forschenden
  • Lokale Agenda 21

Besteht seit: 2010

Mehr erfahren

[1] Facebook

[2] Holzbaur, Bühr, Theiss (2013): Regionale Stakeholderkooperation einer Hochschule zur Umsetzung der Nachhaltigen Entwicklung in Projekten. Umwelt Wirtschaft Forum 21. S. 179-186.

[3] Holzbaur; Daniel (2014): Reallabor Aalen – Bestandsaufnahme der Bildung und Forschung für nachhaltige Entwicklung in Zusammenarbeit von Stadt und Hochschule.

[4] Holzbaur; Bühr; Dorrer; Kropp; Walter-Barthle; Wenzel (2017): Die Projekt-Methode.

Kontaktdaten für Interessierte

Institution: Hochschule Aachen
Bereich: Lehre, Transfer
Ansprechpartner*innen: Prof. Dr. Ulrich Holzbaur

Beispiele aus gleichen Handlungsbereichen

Studium Oecologicum
Studium Oecologicum
tu projects und Projektwerkstätten
tu projects und Projektwerkstätten
Umweltringvorlesung
Umweltringvorlesung
Allgemeine Schlüsselqualifikation Nachhaltigkeit
Allgemeine Schlüsselqualifikation Nachhaltigkeit
Week of Links
Week of Links
SchülerUni Nachhaltigkeit + Klimaschutz Lernen
SchülerUni Nachhaltigkeit + Klimaschutz Lernen
Studium Fundamentale Nachhaltigkeit
Studium Fundamentale Nachhaltigkeit
ZukunftGestalten@HM
ZukunftGestalten@HM